Die Geschichte Oberelsungens

Die Ortsnamen im Laufe der Zeit

Der Ort Oberelsungen hatte im Laufe seiner Geschichte viele unterschiedliche Namen – sowohl vor als auch nach der Unterscheidung von Ober- und Niederelsungen.

Elisungun 775-786
Elisungi 8./9. Jahrhundert
Elisungen
8./9. Jahrhundert
Elsungen 8./9. Jahrhundert
Elesenga 973
Elsungen superiori vor 1199
Elsinge 1235
Elsingen 1262
Elsingen superiori 1284
Oberenn Eilsingen 1315
Abirnelsingen 1324
Obirn Elsinghen 1335
uovern Elsingen 1338
Obern Elsingen 1341
Olderen Elsingen 1332-1344
Obernelsingen 1585
Ober-Elsungen 1708/10

775 bis 974

Die Geschichte von Oberelsungen ist eng mit der Niederelsungens verbunden. So wurde im Güterverzeichnis des Klosters Hersfeld, angefertigt von Bischof Lullus, erstmals urkundlich lediglich ein Ort namens „Elisungun“ erwähnt. Hierbei wurden damals alle Besitzungen des Klosters im Verzeichnis „brevarium sancti Lulli“ erfasst. Das Gründungsjahr beider Orte stützt sich dabei auf die Übergabe des Klosters an Karl den Großen am 5. Januar 775.

Auch die spätere Erwähnung der Orte im „Codex Eberhardi“ um das Jahr 830 bietet noch keine klare Unterscheidung. Hier wird sowohl von einem „Helisungen“ (Provinz Sachsen) und einem „Elsungen“ (Provinz Hessen) berichtet, wobei es sich auch um denselben Ort handeln könnte.

Im Jahr 897 wurde Elsungen, zusammen mit weiterem „Zubehör“, von der Abtei Fulda in den Besitz von Graf Konrad dem Salier eingetauscht. Einige Jahre später kamen die Besitztümer dann zu dem Koster Magdeburg.

Eine weitere Erwähnung findet in einer Urkunde einer Schenkung aus dem Jahr 974 statt. Hier werden Grundstücke von Kaiser Otto II. einer gewissen Dietrat geschenkt, worunter auch „Elesenga“ (gemeint ist hierbei wahrschein Oberelsungen) fällt.

1000 bis 1457

Etwas um das Jahr 1000 gehörte der Ort dem Grafen Dodico von Wartberg, dem mächtigsten Herrn in der Gegend. Kurz nach dem Tod seines Sohnes und Erben übertrug dieser seinen Grundbesitz an die Kirche Paderborn und Bischof Meinwerk, welcher auch später dessen Grafschaftsrecht erhielt.

Jahrhunderte später gehörte Oberelsungen zum Gericht Schartenberg, einer mächtigen Familie in der Gegend, welche jedoch 1383 ausstarb. Infolgedessen fielen 3/8 des Gerichts an den Landgrafen zurück, welche bis zum 18. Jahrhundert in dessen Händen blieben.

Ab dem 13. Jahrhundert wird auch in vielen Dokumenten immer häufiger zwischen Ober- und Niederelsungen unterschieden. So ist oft die Rede von „superiori Elsingen“, „Ober-Elsingen“ oder auch „Overen-Elsingen“.

 

Anekdote zu Graf Dodico von Wartberg

Bischof Meinecke von Paderborn hatte schon lange ein großes Interesse an Graf Dodicos Besitztum, da der Graf mit einer ehemaligen Nonne vermählt war und sein einziger Sohn nach geistlichem Recht erbunfähig war. Solange der Sohn lebte, blieben jedoch alle Bemühungen des Bischofs vergeblich. Doch führte eine uralte Gewohnheit, bei welcher Jünglinge wehrhaft gemacht wurden zu einer Wendung. Während der feierlichen Wehrhaftmachung wurde Dodicos Sohn vom Streitross abgeworfen und vor den Augen seiner Eltern zertreten. So übergab Dodico, nachdem ihm vom Bischof das Strafgericht Gottes erklärt wurde, einen Großteil seines Grundbesitzes an die Kirche Paderborn.

Oberelsungen unter den Herrn von der Malsburg

Nachdem Hermann von der Malsburg nun Erbe der Gudenberger Güter in Oberelsungen wurde, besaß dieser nun 5/8 des Gerichts während dem Landgrafen nur 3/8 inne waren.

Im Jahr 1552 kam einer seiner fünf Söhne im Dienste des Markgrafen um. Zur Ehre Gottes wollte die Familie daraufhin das hinterlegte Vermögen des Sohnes von 300 Goldgulden, welches sie noch einmal um weitere 300 aus eigener Tasche erweiterten, zugunsten der Armen in ihren Dörfern spenden.

Später im Jahr 1787 trat ein Vertrag in Kraft, nach welchem die Malsburger unter anderem in Oberelsungen die alleinige Gerichtsbarkeit bekamen. Diese behielten sie bis zur Verwaltungsreform in Hessen im Jahr 1821 inne.

Malsburg Wappen

Die Zeit des 30jährigen Krieges

Ende 1621 – zur Zeit des 30jährigen Krieges – unterstütze Pfarrer Brandis in einem Schreiben an die Junker die Bitte, auf die Bedrängnis der Schuldner Rücksicht zu nehmen und den rückständigen Fruchtzins zu mildern. Des Weiteren schilderte Brandis die Not durch Misswuchs und die beschwerlichen Durchzüge des Kriegsvolkes.

Im Winter 1626/27 zogen unzufriedene Reiter in Streifenbanden umher und drangen raubend und plündernd überall ein, da sich trotz Erpressung von armen Bauern und Bürgen nichts mehr aufbringen ließ.

Ein weiterer verhängnisvoller Tag bahnte sich im September 1640 an, als kaiserliche Truppen durch das Wolfhager Land zogen. Bei deren Marsch in Richtung Diemel konnte man laut Pfarrer Zacharias Wolfhagen, Oberelsungen und weitere Orte brennen sehen.

In Jahr 1647 erfuhr Hessen und damit Oberelsungen zum letzten Mal die Gräuel des Krieges. Nach dem Friedensschluss war das Land ausgeplündert und ausgesogen. Große Teile der Äcker blieben daraufhin jahrelang unbebaut.

Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich durch die zuvor erlittenen Brandschäden eine lebhafte Bautätigkeit, wodurch man sogar mit dem Baumaterial in Bedrängnis kam.

Karte Oberelsungen 1715

Erster Weltkrieg

Der Mobilmachungsbefehl 1914 anlässlich des Kriegsausbruchs sorgte in der Bevölkerung Oberelsungens nicht für eine völkische Begeisterung noch für einen Freiwilligensturm. Der Ernst des Krieges lastete schwer auf den Gemütern, aus welchem 16 Gemeindemitglieder nicht zurückkehren sollten. Ihnen zu Ehren wurde eine Gedenkstätte am Bühleck sowie ein Ehrenmahl errichtet.

Zweiter Weltkrieg

Vom Krieg selbst blieb Oberelsungen zunächst verschont. Im späteren Verlauf hinterließ jedoch der Bombenkrieg seine Spuren. Nach der Zerstörung eines Großteils der dicht bebauten Altstadt Kassels suchten viele Bewohner in der näheren Umgebung, und damit auch Oberelsungen, Zuflucht.

Das Dorf war auch bei den weiteren Bombardierungen zunächst nicht weiter betroffen, musste aber im März 1945 einen Toten beklagen. Das Haus des Schreinermeisters Christian Volkwein wurde getroffen, wobei die Werkstatt vollkommen zerstört wurde. Auch nahliegende Gebäude wurden leicht beschädigt.

Auch zum Ende des Krieges kamen immer wieder Flüchtlinge aus den östlichen Gebieten an, sodass Oberelsungen 1946 200 Personen beherbergte. Es folgten Monate der Unruhe in Form von Überfällen, Plünderungen und Beraubungen.

Im Jahr 1947 befanden sich immer noch 18 Gemeindemitglieder in Gefangenschaft. Dies betrifft jedoch nur solche, welche sich auch daraus melden konnten. Der Letzte kehrte am 24. Dezember 1949 zurück und wurde mit Glockenklang begrüßt. Zu Ehren der Gefallenen und Vermissten wurde 1957 in Verbindung mit dem alten Ehrenmal eine neue Gedenkstätte an der Kirche eingerichtet.

Die Eingliederung als Stadtteil

Am 1. Februar 1971 wurde Oberelsungen im Zuge der hessischen Gebietsreform durch die Eingliederung Stadtteil der Stadt Zierenberg. Im Vorfeld wurde hierüber abgestimmt, woraufhin am nächsten Tag ein Galgen mit fünf Stricken für die fünf „Verkäufer“ Oberelsungens neben dem Bürgermeisteramt als eine Art Scherz aufgestellt wurde. Dieser wurde jedoch sehr schnell – noch vor dem morgendlichen Gottesdienst – entfernt.

 

 

Historische Karten

Bevölkerungsentwicklung von Oberelsungen

Oberelsungen Bevölkerungsentwicklung
1834: 702
1840: 734
1846: 780
1852: 718
1858: 689
1864:746
1871:
671
1875: 664
1885: 688
1895: 666
1905:699
1910:
718
1925:
 767
1939:
733
1946:
1131
1950:1177
1956: 1044
1961: 971
1967: 988
1970: 1072
2011: 1248
2015:
1255